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Konsulent Oskar Feldtänzer

(*1922 † 2009)

Oskar Feldtänzer wurde am 10. August 1922 in India, Syrmien (damals zu Jugoslawien, heute zu Serbien gehörig), als Sohn des Landwirt- und Kaufmann-Ehepaares Michael und Maria Feldtänzer geboren. Er besuchte die Volksschule in India und hierauf das Gymnasium in Neu-Werbas. Die Reifeprüfung legte er am Gymnasium in Syrmisch Karlowitz/Sremski Karlovci ab, da die Abteilungen mit deutscher Unterrichtssprache an den Gymnasien aufgehoben worden waren. Er begann mit dem Studium der Agronomie an der Hochschule in Hohenheim bei Stuttgart, trat dann bald seinen Militärdienst im II. Weltkrieg bei der Waffen-SS-Division „Nord“ an und war die meiste Zeit an der nordkarelischen Front.

Von 1945 bis 1947 befand er sich in französischer Kriegsgefangenschaft. Nach Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft verschlug es ihn nach Österreich, wo er sich in Ansfelden niederließ und sich hier ein Eigenheim schaffen konnte.

1954 heiratete er die Böhmerwäldlerin Maria Proksch, die allzu früh und unerwartet am 17. 11. 2000 verstarb.

Der Ehe entsprossen fünf Kinder: Erich, Walter, Doris, Hans und Gisela. Auch erfreute er sich der Enkel Lisa und Felix. Ein schwerer Schicksalsschlag traf ihn 1999 mit dem plötzlichen Tod seines Sohnes Walter.

In Linz war Oskar zunächst Hilfsarbeiter, dann wurde er 1947 Angestellter der VOESTALPINE LINZ, infolge seiner Sprachkenntnisse und seiner Tüchtigkeit brachte er es bis zum Prokuristen. 1982 trat er in den Ruhestand.

Feldtänzer machte sich besonders durch seine wissenschaftliche Forschung über die Zeit der Ansiedlung der Donauschwaben im pannonischen Becken bekannt und verdient. Er war im Österreich der Gegenwart der beste Kenner der Ansiedlungsgeschichte.

Das bezeugen sein 1990 erschienenes, 500 Seiten starkes historisches Buch „Josef II. und die donauschwäbische Ansiedlung. Dokumentation der Kolonisation im Batscherland 1780 –1787“, sowie der erste Band der auf vier Bände angelegten „Donauschwäbischen Geschichte. Das Jahrhundert der Ansiedlung 1689 –1805“, 2006 erschienen und 550 Seiten stark. Die beiden Bücher bilden den Schwerpunkt seines wissenschaftlichen Lebenswerks.

Er zählte aber auch zu den besten Kennern der Geschichte der Donauschwaben Jugoslawiens der Zwischenkriegszeit. Seine Darstellung dieser Zeit erschien im Frühjahr 2010 in Band III „Donauschwäbische Geschichte“. Hinzu kommen die vielen Beiträge im „Indiaer Rundbrief“ und anderen donauschwäbischen Zeitschriften.

Es darf auch nicht vergessen werden, dass er, wenn man seine freundschaftlichen Beziehungen zu einer Reihe von serbischen Persönlichkeiten der alten Heimat in Betracht zieht, ein „Brückenbauer“ gewesen ist. Er zeigte eine große Offenheit für das Gespräch mit aufgeschlossenen, vornehmlich serbischen Partnern.

Feldtänzer war auch stets als Übersetzer serbischer Texte (und lateinischer Dokumente) für seine Landsleute verfügbar. Er erstellte die deutsche Übersetzung des Buches von Nenad Stefanović: „Ein Volk an der Donau“ und sorgte 1999 für dessen Drucklegung. Es enthält u.a. seinen ausführlichen Lebenslauf und ist in der Vojvodina der Gegenwart ein Bestseller.

Schließlich war er wohl der einzige, der die Dokumente und Unterlagen der Geschichte der Donauschwaben Oberösterreichs systematisch gesammelt hat – ein längst notwendiges Unternehmen der Archivierung, das ihm spätere Generationen danken werden.

Feldtänzer war seit 1950 Mitglied der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich und seit 1955 im Landesausschuss deren Kultur- und Pressereferent. Dass er erst eine Woche vor seinem am 27. März 2009 eingetretenen Herztod diese seine Funktion zurückgelegt hat, ist kennzeichnend für sein über ein halbes Jahrhundert währendes hohes Engagement, das in erster Linie der Bewahrung der  Geschichte seines Volksstammes in der kollektiven Erinnerung Oberösterreichs und  des mitteleuropäischen Kulturraumes überhaupt galt.

Würdigt man die Lebensleistung Oskar Feldtänzers sachgerecht, dann wird einem bewusst, warum er zu den geistigen Spitzenmännern der Donauschwaben der Kriegs- und Nachkriegsgeneration länderübergreifend zu zählen ist, vergleichbar etwa mit Hans Diplich, Wilhelm Kronfuss, Konrad Scheierling, Josef V. Senz, Adalbert Karl Gauss, Anton Scherer, Valentin Oberkersch, Josef Haltmayer, Nikolaus Engelmann und Hans W. Hockl.

Seine Auszeichnungen sind zahlreich:

Goldene Verdienstmedaille der Republik Österreich, Silberne Verdienstmedaille des Landes OÖ, Goldene Verdienstmedaille und Ehrenring der Landsmannschaft der Donauschwaben Oberösterreichs sowie Konsulent für Wissenschaft der OÖ. Landesregierung.

Zu Beginn der 1980er Jahre übernahm er die Betreuung des Geburtshauses des weltbekannten Musikers und Komponisten Anton Bruckner in Ansfelden. Für diese ehrenamtliche Tätigkeit dankte ihm die Stadtgemeinde mit der Verleihung der Kulturehrennadel in Gold.

Dr. Georg Wildmann